schue kocht: Artischocken

Dies ist kein Essen für hektische Leute am Schnellkochtopf und Fastfoodverzehrer - es ist das klassische Kochen der französischen Landküche, wo es in der langsam zugeht und beim Essen viel geredet wird. Und jetzt gibt es massenhaft Artischocken, die wunderbar groß sind und auch zum normalen Preis verkauft werden. Zuerst die Dinger unter dem Wasserstrahl waschen, dann mit einem beherzten "Knack" den Stil unten herausbrechen, damit die Fasern nachher nicht im Artischockenherzen stören. Dann an den Blättern die oberen scharfen Spitzen mit der Schere rundschneiden, zwischendurch die Schnittstellen immer mit einer Zitrone bestreichen. Dann in einem großen Topf etwa 40 Minuten kochen - lässt sich ein Artischockenblatt leicht lösen, hat es genug gekocht. Nun kommt eine leckere Sauce dazu, am besten so eine Mischung zwischen Aioli und Frankfurter Sauce: Ich verarbeite dazu gekochte Eigelbe mit Olivenöl im Mörser. Knoblauch, der vorher in den Artischocken mitgekocht hat, kommt dazu und wenn sich das mayonnaisenhaft verbindet, kann noch Creme Fraiche hinein und dann viele Kräuter aus dem Garten. Noch mit Senf und weißem Pfeffer abschmecken und dann kann die Artischockenesserei losgehen: Blatt für Blatt abzupfen, in die Sauce tunken (aufpassen, gut einteilen, damit am Schluss noch was für das Herz übrig ist) und das bisschen Fleisch vom Blatt mit dem Tupfer Sauce essen (eine Kombination von Saugen, Nagen, Kauen). Irgendwann kommt dann so eine Strohstrecke, die man vorsichtig über dem Herzen abtrennt, um dann an das zentrale Stück der Artischocke zu kommen - dem Herzen. Jetzt dick die Restsauce drauf und auch das Baguette dürfte dann zu Ende sein. Ein erdiger Loirewein passt gut zu dem bitteren Essvergnügen, das einfach zu einem heißen Sommer gehört.
schue - 2007.06.09, 19:48