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Offener Brief aus dem

Cha-Wi_SoGeUmVerk

Sehr geehrte Bewohnerinnen und Bewohner der Siedlung Heerstrasse,

durch die Bürgerinformationen im „Kurländer“ wurde ich auf den Drogenhandel und Drogenkonsum im Bereich des S-Bahnhof Heerstrasse aufmerksam. Ich habe daraufhin mit der Polizei, der Schule und dem Drogenhilfeprojekt Fixpunkt Kontakt aufgenommen. Bevor ich Ihnen die Gesprächsergebnisse übermittle, möchte ich Ihnen einige allgemeine Informationen zur Drogenproblematik im Bezirk geben:

Drogenhandel und –konsum tritt schwerpunktmäßig entlang von S- und U-Bahnen, besonders an Umsteigeverbindungen auf. Sowohl Süchtige als auch Händler sind mobil und flüchtig. Sobald verstärkte Maßnahmen an einem Ort stattfinden, ziehen sie sich an andere Stellen zurück. Aufgrund der besonderen Problematik am Bahnhof Zoo und anderen Innenstadthaltestellen finanziert das Bezirksamt das niedrigschwellige Drogenhilfeprojekt Fixpunkt. Der Träger betreibt einen umgebauten Bus am Bahnhof Zoo, bei dem unter hygienischen Bedingungen Drogen konsumiert werden und den Abhängigen Hilfeangebote unterbreitet werden. Bei Bedarf wird der Bus auch an anderen Standorten eingesetzt. Außerdem nehmen Sozialarbeiterinnen z.B. in den U-Bahnen gezielt Kontakt auf, um Unterstützung anzubieten. Die Zusammenarbeit mit der Polizei funktioniert sehr gut.

Sowohl Polizei als auch Fixpunkt sind auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen, um schnell reagieren zu können. Fixpunkt bietet Unterstützung an und bittet um telefonische Kontaktaufnahme mit Herrn von Ploetz, Tel. 6932260. Die streetworker werden in dieser Woche bei Ihnen vor Ort sein. Die Problematik war bisher noch nicht bekannt.

Seitens der Polizei war das örtliche Drogenproblem grundsätzlich bekannt, allerdings gab es keinen Drogentoten im Grunewald. Dies sei glücklicherweise eine Falschmeldung. Seit dem 17.9. wird vor Ort ermittelt. Vermutlich aufgrund der derzeit eingestellten S-Bahn-Strecke konnte allerdings kein Handel oder Konsum festgestellt werden. Der örtliche Polizeiabschnitt kann informiert werden unter 4664-222100.

Solange mit illegalen Drogen viel Geld verdient wird, kann die Problematik eingedämmt, aber nicht wirklich gelöst werden. Das ist die Erkenntnis aus über 30 Jahren Drogenpolitik. Einige Großstädte in Deutschland sind sogar dazu übergegangen, an schwerst Abhängige Heroin direkt zu vergeben, um die Lebensqualität der Süchtigen zu verbessern und den Handel auszutrocknen. In Berlin gibt es z.B. ein groß angelegtes Methadonprogramm und mehrere Konsumorte neben einer großen Zahl von Hilfeangeboten, die dauerhafte Abstinenz anstreben. Drogenabhängige sind in erster Linie Kranke und die eigentlich Kriminellen sind die Händler, die im Fokus der polizeilichen Ermittlungen stehen sollten.

Sofern die Problematik wieder auftreten sollte, kann ich Ihnen nur empfehlen, mit Fixpunkt Kontakt aufzunehmen. Der Träger verfügt über langjährige Erfahrung und hat bereits in anderen Bezirksteilen zur nachhaltigen Verbesserung der örtlichen Situation beigetragen.

Ich wünsche Ihnen weiter eine hohe Wohn- und Lebensqualität in Ihrem „Kiez“,

Martina Schmiedhofer
Stadträtin für Soziales, Gesundheit, Umwelt und Verkehr
schue - 2009.09.30, 11:07

Was können Nachbarn gegen den Drogenhandel tun?

Da kann man nicht meckern: Besorgte Nachbarn beobachten Aktivitäten des Drogenhandels in der Siedlung, der Vorstand des Siedlervereins erstellt eine erste Zeugendokumentation und veröffentlicht sie im Kurländerplatz-Blog und im Schaukasten. Kurz darauf reagiert die für das Problem zuständige Stadträtin des Bezirks. Ihr Brief informiert grundsätzlich über den Drogenhandel entlang der S-Bahnstrecke, klärt Gerüchte auf (kein Drogentoter), initiiert Kontakte zur Polizei und zum Drogenhilfeprojekt. Damit ist schon einiges erreicht und vor allem sind alle zuständigen Stellen informiert, die aktiv werden wollen. Jetzt sollte im Siedlerverein deutlich gemacht werden, was wir als Nachbarn tun können. Wir müssen weiter beobachten, über das Problem miteinander reden und das Netzwerk zwischen Nachbarschaft, Schulen, Polizei, Hilfeprojekten und der Politik weiter ausbauen. Dabei gilt vor allem: Öffentlichkeit herstellen und kommunizieren! Der Vorstand hat hier die Koordination übernommen.
Übrigens stehen ja auch noch andere Problemfälle an, wie Einbruch oder verdächtige Annäherungen von Erwachsenen gegenüber Kindern (wovor gerade aktuell gewarnt wurde). Das Drogenproblem ist zwar nicht neu und tritt seit den 1970er Jahren durchgehend auf, aber jetzt waren es Eltern von kleinen Kindern, die sich gegen den Drogenhandel wehren wollen. Das ist richtig so und muss von uns allen unterstützt werden.

bege (Gast) - 2009.09.30, 15:49

Deal or no deal

Hallo Nachbarn,

die Stellungnahme der Stadträtin sehe ich nicht ganz so positiv. Sicher, sie hat das Problem der Abhängigen eingehend geschildert und um Verständnis geworben, zudem sich um Aufklärung bemüht. Aber ihr conclusio: Wenn wieder Dealer unseren Kindern nachstellen, sollen wir uns an den "Fixpunkt" wenden!

Darf man daraus schließen, dass der "Fixpunkt" Beziehungen zu Dealern unterhält und uns deshalb sagen kann, wie wir mit der "Problematik" umgehen sollen? Lächerlich.

Wir werden das Grundproblem nicht ändern können: Weil Gesetze den Besitz geringer Mengen an Drogen nicht unter Strafe stellen, nutzen Dealer Freiräume und Polizei sowie Justiz sind machtlos. Also hilft nur konsequentes und legales (!) Bürger-Engagement.

Es geht nicht um die bedauernswerte Situation von Drogenabhängigen. Es geht darum, zu verhindern, dass unsere Kinder in ebensolche bedauernswerte Situationen geraten.

Nur Wachsamkeit allein reicht deshalb nicht aus. Beherztes und, wie beschrieben, legales (!) Handeln sind gefragt. Denn wie teilte uns die Stadträtin mit: "Sobald verstärkte Maßnahmen an einem Ort stattfinden, ziehen sie sich (die Dealer) an andere Stellen zurück." Das löst zwar nicht das Grundproblem, sondern zunächst nur unseres hier vor Ort. Das kann und muss man einerseits bedauern, aber andererseits ist das der deal.

Zumindest so lange, bis wir - Sie und ich sowie alle anderen - dieses gesellschaftliche Problem grundsätzlich gelöst haben.

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